Tim Kantereit – Mai 2020
In den aktuellen Zeiten während der Corona-Krise machen Online-Konferenzen Sinn, auch wenn von einigen Seiten bei Twitter asynchrones, also zeitunabhängiges Arbeiten gefordert wird.
Gerade vertiefende Diskussionen, Aushandlungen lassen sich nicht asynchron klären, oder wenn, dann nicht sehr zeitnah. Darum bieten Online-Videokonferenzen hier eine Chance.
Auch Bildungsbrunches und Bildungsbiere werden nun online abgehalten. Dort wird diskutiert und sich ausgetauscht. Videokonferenzen ersetzen dabei reale Treffen.
Ich habe aber schon festgestellt, dass Diskussionen mit mehr als acht Personen im Vchat dazu führen, dass sich Personen dem Gespräch entziehen, sich nicht einbringen und keine vertiefende Auseinandersetzung mit dem Thema geschieht. Es ist also genauso wie in Offline-Diskussionen. Jedoch bildet man darum auch Kleingruppen. Quasi um einen Rahmen zu schaffen, in dem sich die Teilnehmer sicher fühlen und sich eher beteiligen und intensiv mit der Fragestellung, dem Problem oder Thema befassen.
Welche Möglichkeiten gibt es, um Online-Videokonferenzen gehaltvoll zu gestalten?
Die Antwort ist denkbar einfach: Man stellt Regeln auf! Grundlegende Regeln in Gruppen ab sechs Personen:
- Muten, wenn man nichts zu sagen hat.
- Meldebutton nutzen, wenn man etwas beitragen will.
- Moderator festlegen.
Bei weniger als sechs Personen, können diese Regeln entfallen.
Björn Nölte hat solche Regeln in schöner Übersicht erstellt.

Mein Vorschlag geht in Richtung Arbeit mit methodischer Strukturierung. Es gibt tolle Methoden, um die Menschen aktiv in Gespräche miteinzubeziehen. Gute Methoden dafür bieten die Liberating Structures (LU11). Hier (LU12) findest du kurze Übersichten über von mir leicht abgewandelte Methoden, um Videokonferenzen geschickt zu strukturieren und die Teilnehmer intensiver einzubinden. Christian Feierabend hat dafür auch sehr hilfreiche Karten (LU13) gestaltet, die Möglichkeiten aufzeigen, wie man Videokonferenzen gestalten kann.
Ein paar Beispiele aus meiner Übersicht
Vortrag
Gruppengröße: unbegrenzt
Es gibt einen Vortragenden, alle anderen muten sich und hören zu. Sinnvoll, wenn man einen Inhalt vermitteln möchte. Durch Screensharing auch mit PowerPoint oder Keynote nutzbar. Könnte aber auch asynchron genutzt werden, wenn man den Vortrag zum Beispiel mit Loom einspricht.
Shift’n’Share:
Gruppen: 3 bis 6 Personen. Pro Gruppe, pro Chatraum.
Eine Person hält einen Vortrag mit Möglichkeit zur Nachfrage. Nach einer bestimmten vorher vereinbarten Zeit (zB 10 Minuten) wechselt der Präsentierende.
Fishbowl Diskussion:
Gruppe: 3 bis 6 Personen im Inkreis (Video und Ton an) beliebig viele im Umkreis (Bildschirm und Ton aus).
Der Inkreis diskutiert ein Thema, der Umkreis macht kollaborativ Notizen in einem Etherpad. Es braucht einen Moderator. Per Meldefunktion kann eine Person aus dem Umkreis in die Diskussion einspringen.
1-2-4-alle
Gruppen: 3 bis 4 Personen, insgesamt beliebig viele Gruppen
Zunächst allein überlegen: Video und Ton aus. Danach zu zweit: jeweils ein Paar in einem Chatraum. Danach zu viert in einen Chatraum. Dann alle in einen Chatraum.
Conversation Café
Gruppen: 3 bis 6 Personen, beliebig viele Gruppen
Es braucht einen Moderator. Es wird ein Thema oder Problem anstatt in großer Gruppe in kleineren Gruppen diskutiert. In einem Etherpad kann notiert werden
Interview mit Prominenz
Gruppen: 2 Personen (Experte und Moderator) + beliebig viele andere Personen.
Der Moderator interviewt den Experten. Die anderen muten sich und machen das Video aus. Sie sammeln Fragen auf fragmich.xyz. Danach stellt der Moderator noch diese Fragen.

Das Buch zum Beitrag
Dieser Beitrag stammt aus unserem Buch “Hybridunterricht 101” – ein Gemeinschaftswerk von 33 Autor:innen, das zeigt, wie Hybridunterricht in modernen Unterrichtskonzepten umgesetzt werden kann. Es geht dabei nicht nur um die Digitalisierung sondern auch um soziale Aspekte, die für hybrides Lernen wichtig sind.
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